Institut für Rehabilitationspädagogik Körperpädagogik
Abb. 1 Tonibox mit Tonifigur 3
„Und diese Biene, die ich meine nennt sich Maja. Kleine, freche, schlaue Biene Maja. … “1 ertönt es aus Oles Toniboxâ2. Seine Mama hat ihm gerade seinen Lieblingstoniâ, die Biene Maja, auf die Box gestellt und jetzt hört der fünfjährige Ole aufmerksam der Geschichte und den Liedern zu, während er auf einer großen Puzzlematte liegt. Besonders wenn die Stimme der Biene Willi erklingt, breitet sich Oles Mund zu einem Lächeln aus und er beginnt zu lautieren und zu zappeln, um seine Begeisterung zum Ausdruck zu bringen. Wenn Ole eine Geschichte nicht mag, zeigt er das ganz genau, indem er sein Gesicht verzieht, zu weinen beginnt oder sich wegdreht.
Ole ist ein aufgewecktes und sensibles Kind. Er genießt die Nähe von vertrauten Personen und gewinnt nach erster Skepsis aber auch schnell Zutrauen zu neuen Menschen. Er liebt Musik und lautiert hörbar mit, wenn im Radio Lieder laufen oder seine Mama ihm vorsingt. Ole zeigt besonders hohe Eigenaktivität bei akustischen und taktilen Angeboten und äußert Freude mit Lautieren oder Zappeln seiner Gliedmaßen. Wenn er sich unwohl fühlt, zieht er sich eher zusammen, macht sich klein und weint. Ole ist seit seiner Geburt blind, weshalb er sich sein Umfeld über akustische Reize erschließt und auch so darauf reagiert. Wenn er ein Geräusch vernimmt, bemüht er sich, sich der Geräuschquelle zuzuwenden. Dabei liegt er meist auf einer großen Puzzle-Matte und hört ganz genau hin, was in seiner Umgebung passiert und wer mit ihm spricht. Ole hat einen ausgeprägten hypotonen Muskeltonus und befindet sich meistens in liegender Position in Rückenlage. Für eine sitzende Position setzt sich eine erwachsene Person hinter ihn und lehnt Oles Körper an. Aufgrund der hypotonen Muskelspannung, wird Ole für einen Ortswechsel von seinen Eltern getragen oder in einem Wagen gefahren. Während er bei vertrauten Stimmen seiner Familie vergnügt reagiert, sein Körper sich freudig anspannt und er sich der Quelle hinwendet, ist er doch eher skeptisch und äußert Unmutslaute, wenn eine fremde Person den Raum betritt und mit ihm zu sprechen beginnt. Dann redet Oles Mutter ihm gut zu oder singt ihm etwas vor, damit er sicher ist, dass sie bei ihm ist. Sie streicht mit ihrer Hand an Oles Arm entlang, um ihre Anwesenheit zu bestätigen und spricht mit ruhiger Stimme auf ihn ein. In Situationen, in denen zu viele Reize auf Ole einwirken und Oles Eltern den Eindruck gewinnen, dass er Ruhe braucht, dunkeln sie den Raum ab und legen ihn in einen mit Kissen ausgepolsterten Kasten. Die begrenzten Seiten des Kastens bieten einen geschützten und geborgenen Raum, in dem Ole sich sicher fühlen kann und die Begrenzung spürt. In diesem „Kleinen Raum“ wie ihn Lilli Nielsen1 entwickelte, kann Ole wieder aktiv werden und räumliche Beziehungen aufbauen. Über ihm hängen Gegenstände herab, nach denen er greifen und sie zu sich ziehen kann. Diese erkundet er mit seinen Händen und seinem Mund. Nach dem Loslassen kehren die Gegenstände wieder an ihren Platz zurück, wodurch Ole Objektpermanenz erfährt. Die Kissen schaffen ein gemütliches Ambiente und dämpfen außerdem Außengeräusche ab. In dieser reizarmen Atmosphäre kann Ole zur Ruhe kommen.
Neben dem Hören ist für Ole auch die taktile Wahrnehmung wichtig, um die Welt um sich herum zu erforschen und aufzunehmen. Dazu gibt ihm seine Mama z.B. eine Toniâ-Figur in die Hand, um Ole auf die kommende Geschichte vorzubereiten. Ole kann mit den Fingern die Ecken und Rundungen ertasten und erkennt seine Lieblingsfiguren sofort. Auch mit dem Mund und der Zunge versucht er den Gegenstand zu untersuchen. Wenn seine Mama den Toni dann auf die Box stellt, begleitet sie den Vorgang verbal und erklärt Ole genau, was sie macht.
„Wollen wir eine Geschichte hören?“ fragt Mama und Ole lautiert zur Antwort lautstark und zieht die Arme ruckartig in die Höhe. Oles Mama nimmt die Toniâ-Figur der Biene Maya aus der Kiste. Die Kiste ist mittlerweile gefüllt mit spannenden und lustigen Geschichten und Liedern. Oles Mama weiß genau, dass sie mit dieser Geschichte Oles Geschmack treffen wird. Während sie die Figur herausnimmt, vernimmt Ole schon das Klappern der Kiste und beginnt aufgeregt zu zappeln und dreht sich in ihre Richtung. Währenddessen spricht sie zu Ole: „Ich gebe dir jetzt die Figur in die Hand. Du kannst fühlen, welche Geschichte wir gleich hören.“ Sie legt ihm die Tonifigurâ in die Hand und Ole umfasst sie ganz fest und führt sie schließlich gezielt zu seinem Mund. Sein Gesicht sieht ganz konzentriert aus, doch schließlich quietscht er vergnügt, denn diese Figur kennt er schon sehr gut.
Auch Fingerspiele werden Ole immer wieder von seinen engsten Bezugspersonen angeboten. Dabei wird mit den Fingern über die Hände, die Arme oder den Bauch gestrichen. Dadurch soll Oles Wahrnehmung für seinen Körper angeregt werden.
Ole liegt auf seiner Matte, neben ihm sitzt seine Mama und streicht an seinem Arm auf und ab. Das genießt Ole sehr und sein Körper und die Muskeln entspannen sich. Ole liebt es, wenn seine Mama ihm vorsingt und mit ihm spielt. Seine Mama beginnt zu singen: „Kleine Schnecke, kleine Schnecke, krabbelt rauf, krabbelt rauf.“ Dabei läuft Oles Mama mit zwei Fingern an seinem Arm hinauf bis zu seinem Hals. Ole hat einen konzentrierten Gesichtsausdruck und wendet sich der Seite zu, an der die Hand seiner Mama seinen Arm heraufsteigt. „Krabbelt wieder runter, krabbelt wieder runter. Kitzelt deinen Bauch, kitzelt deinen Bauch.“ Nun laufen die beiden Finger seiner Mama an Oles anderem Arm herunter und schließlich kitzelt Mama leicht Oles Bauch. Er quietscht vergnügt und zappelt aufgeregt und etwas unkontrolliert mit seinen ausgestreckten Armen und Beinen.
Oles Eltern kennen ihren Sohn sehr gut und wissen genau, was er mag oder wenn ihn etwas stört. Wenn seine Mama ihn beispielsweise fragt, ob er etwas trinken möchte, zeigt Ole durch das Rausstrecken seiner Zunge, dass er Durst hat und verschließt diesen ganz fest, wenn er nicht trinken möchte, was ihm angeboten wird. Oles Mutter achtet ganz aufmerksam auf ihn, spricht viel und motivierend und versucht Oles Reaktionen zu interpretieren. Doch manchmal kommt es auch zwischen ihnen oder mit anderen Menschen zu Missverständnissen und Oles Kommunikationsstrategien werden nicht richtig verstanden. Das ist vor allem für ihn aber auch für sein Umfeld frustrierend.
Durch die Frühförderung wurde Ole bereits eine sprechende Taste in Form eines BIGmacks zur Verfügung gestellt. Sprechende Tasten sind batterie- oder akkubetriebene Geräte in unterschiedlichen Größen und Farben, die über ein integriertes Mikrofon Sprachaufnahmen ermöglichen. Ein abnehmbarer Hartplastikdeckel schützt dabei einlegbare Bild- oder Symbolkarten und verhindert deren Abnutzung. Auf manchen Geräten wie dem Step-By-Step kann man mehrere Aufnahmen aufzeichnen, während auf dem BIGmack nur eine Aufnahme von max. 120 Sekunden möglich ist. Die Aufnahme einer Mitteilung ist einfach und kann jederzeit neu erfolgen, sodass die Tasten spontan und situationsbezogen eingesetzt werden können. Durch das Drücken der jeweiligen Taste wird die zuvor aufgenommene Sprachbotschaft wiedergegeben. Manche Modelle lassen sich individuell programmieren und können zusätzlich andere Geräte, wie zum Beispiel batteriebetriebenes Spielzeug, ansteuern. Dies erweitert die Einsatzmöglichkeiten und schafft spielerische sowie motivierende Lern- und Interaktionssituationen. Der Einsatz sprechender Tasten fördert die Selbstwirksamkeitserfahrungen, indem Nutzer:innen durch eigene Handlungen Selbstwirksamkeit erfahren. Oles Eltern fehlt es allerdings bisher an Ideen für die Anbahnung und Umsetzung, da sie noch keine Erfahrung mit elektronischen Kommunikationsmitteln sammeln konnten. Bisher lag der Fokus in der Kommunikation stark auf den körpereigenen Strategien von Ole. Seine Eltern erhoffen sich neben der Erweiterung der körpereigenen Kommunikation auch elektronische oder nicht elektronische Hilfsmittel einbinden zu können.
Oles Eltern sind überzeugt, dass Ole sich gerne mehr äußern würde. Um weitere Kommunikationsmöglichkeiten für Ole auszuprobieren und neue Ideen für die Förderung zu bekommen, hat Oles Mutter mit Frau G. aus der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation Kontakt aufgenommen und einen Beratungstermin vereinbart.
Es folgt ein Auszug aus dem E-Mail-Verkehr zwischen Oles Mutter und der Beratungslehrerin Frau G.
Sehr geehrte Frau G.,
[…]
Allerdings haben wir das Gefühl, dass er doch mehr versteht und sich aber nicht äußern kann. Es entsteht der Eindruck, dass er deshalb manchmal frustriert ist.
Ole liebt Musik und seine Toniboxâ, er äußert, wenn ihm Musik gefällt und auch wenn sie ihm nicht gefällt.
Er hat einen Bügel am Kinderwagen, wenn wir sagen, dass er ihn hochmachen soll, geht der Arm gezielt dorthin und er macht es hoch und auf Kommando sozusagen auch wieder runter.
Er versteht, wenn wir ihn fragen, ob er etwas trinken möchte. Entweder er macht den Mund auf und er streckt seine Zunge raus für ja oder er lässt ihn zu.
Das sind Kleinigkeiten, aber wir sind sicher, wenn wir eine Kommunikationsmöglichkeit finden, er noch viel mehr lernen könnte sich zu verständigen.
Ich würde mich sehr über einen Rückruf freuen.
Mit freundlichen Grüßen, Frau F.
Frau G. und Frau F. vereinbarten einen gemeinsamen Termin, der bei Oles Familie daheim stattfand. Das Ziel des Beratungstermins war es, die Familie kennenzulernen, Oles Kommunikationsverständnis zu beobachten und erste Ideen für eine Anbahnung mit Unterstützter Kommunikation zu geben. Die Familie besitzt bereits einen BIGmack. Es fehlen ihnen jedoch noch Ideen für dessen Anwendung und auch weitere Unterstützungsmöglichkeiten der Kommunikation. Zunächst beobachtet die Beratungslehrerin Frau G, wie sich Ole und seine Mama im gemeinsamen Kontakt verständigen und weist in dieser Situation schon auf erste Möglichkeiten des Einsatzes von Unterstützter Kommunikation hin. Diese Situation kann sich so ereignet haben:
Frau G. sitzt mit Ole und seiner Mutter im Wohnzimmer. Ole liegt auf seiner Puzzle-Matte. Als Frau G. den Raum betritt wird Ole unruhig und scheint sich sichtlich unwohl mit der Anwesenheit einer ihm fremden Person zu fühlen. Durch den guten Zuspruch seiner Mutter, beruhigt er sich allerdings und lauscht aufmerksam, was um ihn geschieht. Frau G. gibt Oles Mutter Ideen für die Kommunikationsförderung, welche diese versucht sofort umzusetzen. Um das Turn-Taking zu üben, soll Oles Mutter mit ihm Protodialoge führen. Oles lautierende Äußerungen werden von seiner Mutter aufgegriffen und wiederholt, sodass ein Dialog zwischen den beiden Personen entsteht.
Ole: „ehhhh“
Mutter: „ehhhh“
Ole: „ajajaj“
Mutter: „ajajaj“
[…]
Das Lautieren wird dementsprechend von Oles Mutter als kommunikative Äußerung verstanden, interpretiert und folglich auch darauf reagiert. Dadurch erfährt Ole das Prinzip von Kommunikation und den Gesprächswechsel zwischen Gesprächspartner:innen.
Außerdem empfiehlt Frau G. Oles Familie auch taktile Gebärden in Interaktionen mit Ole einzubauen. Diese erarbeitet sie mit Oles Mutter, damit diese die Gebärden mit Ole durchführen kann.
Oles Mutter kniet sich neben Ole und beugt sich leicht über ihn. Ein paar taktile Gebärden hat Frau G. ihr bereits gezeigt und nun möchte Frau F. diese selbst einmal ausprobieren. Dafür nimmt sie Oles Hände und legt diese über seine. Oles Hand als hörende Hand liegt bei der Durchführung auf der Hand von Oles Mama als sprechende Hand. Die Gebärden werden am Körper der sprechenden Person ausgeführt. Seine Mutter geht ganz nah an Ole heran und führt die Hände zu ihrem Brustbein, legt sie flach darauf und sagt „Ich“. Dann streicht sie von diesem Punkt aus abwärts und begleitet die Gebärde verbal mit „mag“. Schließlich legt sie die Hände auf Oles Brustkorb und sagt „dich“. Sie probiert noch weitere Gebärden aus, welche die Familie gut in den Alltag einbinden kann. Ole verfolgt alles mit konzentriertem Gesichtsausdruck und ist ganz ruhig dabei.
Frau G. und Oles Mutter vereinbaren bis zum nächsten Treffen gemeinsam realistische Ziele, damit für Ole und seine Eltern Erfolgserlebnisse in seiner Kommunikation wahrnehmbar sind. Außerdem stellt Frau G. der Familie noch weitere Ideen zusammen, welche mit Ole ausprobiert werden können. Der BIGmack soll in alltäglichen Handlungen eingebunden und mit Aussagen wie „Nochmal“ oder „Fertig“ besprochen werden. So kann der BIGmack beispielsweise beim Spielen eingebunden werden, sodass Ole eigenständig eine Wiederholung oder das Ende eines Spieles einfordern kann. In den nächsten Wochen soll nun ausprobiert und beobachtet werden, wie Ole die neuen Kommunikationsangebote annimmt und seine eigene Selbstwirksamkeit in der Kommunikation erfährt.
Auch die Förderung der Körperwahrnehmung ist wichtig für Ole. Er liebt es gekitzelt oder in die Luft geworfen zu werden. Er benötigt starke Reize, die auf den Körper einwirken, um den eigenen Körper zu spüren. Da Ole den eigenen Körper nicht visuell wahrnimmt, helfen ihm Körperkontakt und taktile Angebote, ein Gefühl für die Reichweite des eigenen Körpers zu bekommen. Zur Förderung des vestibulären Systems, wird Ole in eine Schaukel gelegt, welche über die Längsachse schaukelt. Bereits in der Frühförderung hat die Familie vielseitige Ideen und Anregungen für Oles Förderung erhalten. Sowohl auf Wahrnehmungs- und Körperebene, als auch auf der kommunikativen Ebene.
Drei Monate später trifft sich Frau G. für die zweite Beratung ein weiteres Mal mit Ole und seiner Mutter bei der Familie zuhause. Bei dieser Beratung stand die Reflexion der vergangenen Monate und die Besprechung der zukünftigen Förderung im Mittelpunkt. Durch Frau G.s Anregungen und die intensiven Bemühungen der Familie, konnte Ole beispielweise bezüglich seines Sprachverständnisses bereits erste Erfolge erlangen. Auf die Nachfrage „Wo ist dein Kopf/ Mund/ Nase?“ führt er die rechte Hand gezielt zu dem gesuchten Körperteil und berührt dieses mit dem Finger. Weiterhin zeigt er mit dem Herausstrecken der Zunge an, dass er etwas trinken möchte. Dies geschieht allerdings situativ und kann noch nicht auf andere Situationen übertragen werden. Besonders Gegenstände, welche Geräusche machen, findet Ole sehr faszinierend. Wenn die Spieluhr mit der Balletttänzerin Musik spielt, hält er sich diese an sein Ohr und lauscht gespannt der Melodie. Aber auch mit verschiedenen Rasseln macht er gerne lauten Krach. Seine Wünsche und Bedürfnisse versucht er mit unterschiedlichen Lautierungen und Variation von Lautstärke zum Ausdruck zu bringen. Frau G. und Oles Mutter einigen sich auf ein weiteres Treffen in der Zukunft und beschließen gemeinsam die Ziele für Oles Förderung. Vielfältige und wiederkehrende Angebote können Oles Interesse für seine Umwelt fördern. Ihm sollen aktive Handlungsanteile ermöglicht werden, sodass Ole beispielsweise bei Fingerspielen aktiv eingebunden wird. Außerdem sollen Oles Bezugspersonen seine Reaktionen strukturiert überinterpretieren und seinem Verhalten kommunikative Bedeutsamkeit zuschreiben. Zehn Minuten am Tag sollte der BIGmack z.B. bei den Fingerspielen eingebunden und „nochmal“ von Ole eingefordert werden. Alternativ kann dieser aber auch an anderen kommunikativen Haltestellen eingebunden werden. Auch ein Zuwachs der Lautsprache wäre laut Frau G. vorstellbar.
Ungefähr ein Jahr später nimmt Oles Mutter ein weiteres Mal mit Frau G. aus der Beratungsstelle Kontakt auf. In der Zwischenzeit wurden Ole mehrere Geräte genehmigt.
Liebe Frau G.,
es wäre super, wenn Sie mich zurückrufen könnten.
Wir haben letztes Jahr zusammen mit Frau P. aus dem SPZ4 und der Firma Q ein paar Sachen bezüglich Unterstützter Kommunikation ausprobiert und nun auch von der Krankenkasse genehmigt bekommen.
Einen Powerlink5, 2 Step-by-Step6 und 2 Taster. Letzte Woche kam das große Paket von Q.
Nur wurde die Einweisung durch Q von der Krankenkasse nicht genehmigt.
Nun wollte ich Sie fragen, ob wir zusammen ein paar schöne Übungen für Ole zum Kommunizieren überlegen können.
Liebe Grüße,
Frau F.
Gemeinsam mit der Heilpädagogin in der Kita und der Kitaleitung findet anschließend ein Treffen in der Kita statt. Ole selbst ist dabei nicht anwesend. Denn das Ziel der Beratung ist die Einweisung in die unterschiedlichen Geräte und das Sammeln von Ideen für die Anbahnung der Kommunikation mit den elektronischen Hilfsmitteln. Im Besonderen soll es um den Umgang mit zwei Step-by-Steps mit Ebenen und dem Powerlink gehen.
Frau G. stellt die Geräte und ihre Benutzung vor. Alle anwesenden Personen können diese selbst einmal ausprobieren und einen ersten Eindruck davon gewinnen. Zuerst werden alle technischen Fragen geklärt, bevor es zu inhaltlichen Absprachen kommt.
Es wird sich darauf geeinigt, dass die Step-by-Steps fest in ritualisierte Situationen eingebunden werden. An jedem Morgen sagen die Kinder in der Gruppe einen Spruch auf, um den Tag einzuleiten. Durch die Sprachausgabe des Step-by-Step kann nun auch Ole aktiv an diesem Ritual teilnehmen und sich in seiner Kita-Gruppe einbringen. Außerdem wollen die Erzieher:innen und Oles Mutter in Spielsituationen oder beim Singen von Liedern versuchen die Forderung „nochmal“ einzubauen, sodass Ole anzeigen kann, wenn er sich eine Wiederholung der Aktivität wünscht. Die Erwachsenen sollen dabei das Prinzip des Modelling anwenden und die Taste selbst betätigen, wenn sie fragen: „Möchtest du nochmal singen?“. Vom anfänglichen Nachahmen kann dies dann schließlich in eine intentionale Handlung übergehen und auch auf andere Situationen übertragen werden.
Im Kindergarten sowie Zuhause kann der Powerlink mit dem Radio oder einem Ventilator verbunden werden. Dabei soll Ole der Zugang möglichst oft und niedrigschwellig zur Verfügung stehen, damit er die Erfahrung macht selbst über das An- und Ausschalten entscheiden zu können.
Frau G., Frau F. und die beiden Pädagog:innen der Kita vereinbaren die Fortführung der bisherigen Ziele und Aufgaben. Die Heilpädagogin ist motiviert die neuen Ideen auch in den Kita-Alltag einzubinden und steht mit Frau F. im engen Austausch über weitere Umsetzungsideen.
Ole hat bereits wichtige Fortschritte gemacht. So verwendet er beispielsweise den Step-by-Step mittlerweile intentional, um sich eine Wiederholung der Aktivität zu wünschen. Die Familie bemüht sich, die Tasten auch in Ess- und Trinksituationen einzubinden, damit er Hunger und Durst darüber anzeigen kann. Ole verfügt bereits über ein ausgebautes Kommunikationsverständnis, versteht Aufforderungen und kann in vielen Situationen Turn-Taking7 anwenden. Durch die elektronischen Hilfsmittel konnte er ein großes Stück an Selbstbestimmung hinzugewinnen.
1https://www.songtexte.com/songtext/karel-gott/die-biene-maja-3bcdf8f4.html
2Die Toniebox ist ein leicht bedienbares Audiosystem, mit dem Kinder eigenständig Hörspiele, Musik und Geschichten hören können.
3https://www.kastner-oehler.de/tonies-toniebox-starter-set-mit-kreativ-tonie-hellblau-hellblau-7168376.html
4Sozialpädiatrisches Zentrum
5Eine Ansteuerungshilfe
6Eine sprechende Taste mit mehreren Ebenen
7Sprecher:innenwechsel